Der Irakkrieg

und die

Zerstörung der Geschichte


Die verbleibenden Überreste der Sumerer, der ersten, großen Zivilisation der Welt, wurden und werden immer noch durch den Irakkrieg zerstört. Es folgt ein Auszug aus "Es ist der Tod der Geschichte" von Robert Fisk - 17. September 2007 - The Independent.

Viertausend Jahre alte sumerische Städte werden von Räubern zerstört und geplündert. Die Stadtmauern des mächtigen Ur der Chaldäer reißen unter der Last der massiven Truppenbewegungen. Plündern wurde privatisiert und Landbesitzer kaufen die verbleibenden Ausgrabungsstellen des alten Mesopotanien und reißen alle Kunstwerke und Reichtümer heraus.

Die nahezu vollständige Zerstörung der geschichtlichen Zeugnisse des Irak, der Wiege der menschlichen Zivilisation, ist eine der schändlichsten Symbole dieser verheerenden Besetzung.

Ein langer und deprimierender Bericht, der im Dezember von der libanesischen Archäologin Joanne N Farchak veröffentlicht wurde, stellt fest, daß "die Armeen der Plünderer nicht einen Meter der sumerischen Hauptstädte verschont haben, welche für Jahrtausende im Sand vergraben waren. Sie haben in ihrer unermüdlichen Suche nach verkäuflichen Objekten die Überreste dieser Zivilisation systematisch zerstört. Diese alten Städte erstrecken sich über etwa 20 Quadratkilometer und hätten, wenn ordentlich ausgegraben, viele neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Menschheit ermöglicht.

Die Menschheit verliert ihre Geschichte für eine Keilschrift-Tafel oder eine Skulptur oder ein Schmuckstück, das ein Händler in einem vom Krieg zerrütteten Land gegen Bargeld kauft. Die Menschheit verliert ihre Geschichte für das Vergnügen von privaten Sammlern, die sicher im Luxus ihrer Häuser leben und spezielle Objekte für ihre Sammlung bestellen."

Von all den alten Städten im Irak, wird Ur als die wichtigste für die Geschichte der Menschheit angesehen. Sie wurde etwa 4000 v.Chr. gegründet und ihre sumerische Bevölkerung entwickelte die Grundlagen der Bewässerung, Landwirtschaft und Metallbearbeitung.

Die Vereinigten Staaten haben wiederholt behauptet, daß die große amerikanische Militärbasis in Babylon gebaut wurde um die Ausgrabungsstelle zu schützen, doch der irakische Archäologe Zainab Bah-Rani, ein Professor für Kunstgeschichte an der Columbia Universität, sagt, dies sei völlig unglaubwürdig. Der Schaden den Babylon erlitten hat, ist erheblich und nicht wieder gutzumachen. Wenn die US-Streitkräfte die Stätte wirklich hätten beschützen wollen, wäre es viel sinnvoller gewesen, Wachen aufzustellen anstatt sie mit Bulldozern zu bearbeiten und dort das größte Militärhauptquartier der Koalitionsstreitkräfte in der ganzen Region aufzubauen."

Das groß angelegte Plündern der Schätze aus 5000 Jahren mesopotamischer Geschichte ist genauso verachtenswert wie die Zerstörung der schriftlichen Aufzeichnungen der mittelamerikanischen Zivilisationen durch die Spanier und das Verbrennen von 3000 Jahre alten chinesischen Büchern durch die Briten im zweiten Opiumkrieg.

Der barbarische Mangel an Respekt für die wichtigsten Erbstücke der Menschheit spricht Bände über die Denkweise der Mächtigen. Genauso wie die bewusste Verdummung unserer Kultur durch den Wegfall des Schulunterrichts in Latein und Griechisch, in denen die Mehrheit der westlichen Sprachen ihre Wurzeln haben.


Der "fruchtbare Halbmond" im heutigen Irak, wo die Sumerer vor etwa 6500 Jahren die ersten Bewässerungsanlagen bauten, hat schwer durch die Machenschaften der internationalen Bankiers gelitten, welche die Vereinigten Staaten und Großbritannien regieren.

Die Sumerer leiteten Wasser der Flüsse Tigris und Euphrat durch lange Kanäle und errichteten Erdwälle gegen Springfluten. Sie begannen mit dem Bau großer Städte wie Ur, Kish und Uruk, wo zuerst Schrift produziert und Wissenschaft entwickelt wurde.

Warum verschwand Sumer, einst eine riesige Kornkammer, im Nichts? Warum wurden die Felder der Sumerer schrittweise weniger fruchtbar und warum blieben die Rekordernten aus? Weizen wurde durch Gerste ersetzt bis auch dies fehlschlug und die Felder unfruchtbar wurden und das Land wieder zur Wüste wurde.

Es scheint, es geschah was heute immer noch geschieht wenn Flüsse in unverantwortlicher Weise kontrolliert werden - kurzfristiger Reichtum gefolgt von einer Katastrophe. Kleine Mengen Salz die von den Flüssen getragen wurden, sammelten sich über Jahrhunderte an und vergifteten schließlich die Ernte. 3800 Jahre alte Keilschrift-Tafeln beschreiben ein Farmsystem im Todeskampf, berichten von schwarzen Feldern die weiß werden und von Pflanzen die im Salz ersticken.