K A P I T A L I S M U S

Ein Betrug?

Ein Mittel zum Zweck?

Ein Werkzeug in den Händen gewissenloser Menschen?



Wandel in der Struktur des Vermögens

Entwicklungen in der Informationstechnologie führten zu drastischen Änderungen in Struktur des Anlagevermögens einer Firma.

In der Welt des Kapitalismus hat alles einen Wert. Alles, wie etwa Sport, Kunst und Literatur, wird in den Schmelztiegel des Kapitals geworfen und was ausgestoßen wird ist nicht eine berauschende Vielfalt sondern eine zerstörerisches Loblied an den Geiz.

Dadurch hat sich das Augenmerk von der traditionellen Bedeutung der  materiellen Vermögensgegenstände zu immateriellen Anlagewerten verschoben, wie etwa dem Humankapital, das für wissensintensive Industrien benötigt wird. Der Unterhaltungssektor (Pop, Musik, Sport oder Kino) hängt stark von den hohen Kosten für Humankapital ab. Dieses Werte können nur mit großer Ungenauigkeit auf einer Bilanz aufgeführt werden. Dazu kommen noch neue technische Entwicklungen, wie etwa genetisch veränderte Nutzpflanzen oder Änderungen im menschlichen Genom.

Es findet eine intensive Suche nach neuen Anlagen für Investitionskapital statt, angeblich um die globale kapitalistische Ordnung zu stabilisieren. Natürlich geht dies Hand in Hand mit dem Druck, jede verfügbare Möglichkeit zu nutzen um mehr Gewinn aus bestehenden Sektoren zu ziehen. Daher hat die "New Labour"-Regierung in Großbritannien die Glückspielgesetze "liberalisiert" und es der Werbeindustrie erlaubt, Kinder als Zielgruppe zu nutzen. Der Feminismus hat bereits sein Ziel erreicht, indem er die Frauen zunehmend in den Strudel des Geschäftslebens zieht.

Privatisierung

Seit dem frühen Tagen des industriellen Kapitalismus im neunzehnten Jahrhundert wurde es weitgehend akzeptiert, daß die lebenswichtigen, öffentlichen Leistungen und Versorgungseinrichtungen, wie Wasser und Strom, Telekommunikation und Erziehung überwiegend von Organisationen bereitgestellt werden, die im Staatsbesitz sind und vom Staat kontrolliert werden.

Diese Leistungen wurden als natürliche Monopole angesehen, die keine Form von Wettbewerb brauchen und für das Privatkapital keine attraktive Anlagemöglichkeit bieten.

Nach den Jahren 1929-1931 wurde in den Vereinigten Staaten eine Mischung von staatlicher Regelung, Subvention und selektiven, privaten Investitionen akzeptiert.

Die Privatisierungspolitik der Thatcher-Regierung in Großbritannien  stützte sich auf die Annahme, das der öffentliche Sektor bei der Bereitstellung von Leistungen in seinem Verantwortungsbereich versagt hatte. Daher sollte der Privatsektor, mit seiner ihm angeblich innewohnenden Kapazität für größere Wirtschaftlichkeit, diese Leistungen übernehmen.

Es wurde jedoch von den Vertretern dieser Maßnahmen nie erwähnt, daß dies auch eine dringend benötigte Anlagemöglichkeit für überschüssiges Investitionskapital bot.

Übernahme von Konzernen

Die Übernahme von einer Firma durch eine andere ist eine charakteristische Eigenschaft des kapitalistischen Marktes. Von General Electric wurde gesagt: "... es ist wie ein Hai, es muß weiterschwimmen und weiterfressen oder sterben."

Geschäfts- und Anlagebanken

Anlagebanken hatten einen starken Anreiz, einen größeren Anteil an dem extrem lukrativen Geschäft von Fusionen und Übernahmen zu gewinnen, was durch intensive Marketingstrategien erreicht werden sollte, welche die Geschäftsführer und Direktoren dieser großen Firmen direkt ansprachen. Es ist wert zu erwähnen, daß die Überredungskünste der neu entstandenen, finanziellen Konzerne (wie Citigroup, deren Seniorberater der frühere Chef der Weltbank James Wolfensohn ist, Merrill Lynch und Goldman Sachs) auch persönliche Angebote an Direktoren von Kundenfirmen einschlossen, wie etwa von hochprofitablen Aktienpaketen in Firmen die nichts mit der Kundenfirma zu tun hatten.

Die finanzielle Liberalisierung in den 1970ern hat die Geschäftsbanken befähigt und ermuntert, ihre Aktivitäten über das gesamte Spektrum der finanziellen Dienstleistungen auszubreiten. Banken wie Citigroup, Merrill Lynch und Credit Suiss First Boston haben ihre Anlegerkunden systematisch und absichtlich belogen.

Es war für lange Zeit ein Glaubensartikel unter den Vertretern des modernen Kapitalismus, daß Vertrauen in die finanziellen Märkte ein öffentliches Gut ist, das hoch bewertet und vorsichtig genähert werden muß. Von diesem Standpunkt aus gesehen kann es angemessen erscheinen, daß finanzielle Institutionen und andere Firmen in die Lage versetzt werden, ihre Ergebnisse im bestmöglichen Licht zu präsentieren. Und aus dem selben Grund scheint es auch völlig rational, die Entwicklung von Strukturen und Instrumenten zu fördern, welche die Gefahr eines systematischen, finanziellen Zusammenbruchs reduzieren.

Kultur des Betruges

Dies wiederum förderte die Kultur des Betruges. Im Kapitalismus stehen Manager im Privatsektor unter extremen Druck, die Wirtschaftlichkeit zu erhalten und zu erhöhen. Es ist daher nicht überraschend, das Topmanager und ihre Helfer sich in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation die zunehmenden Möglichkeiten zu nutze machen, die Anleger irrezuführen und die Bücher im großen Stil zu fälschen.

Wirtschaftsprüfer

Der betrügerischen Maßnahmen von Enron, WorldCom und Global Crossing wären jedoch nicht so lange unentdeckt geblieben, gäbe es nicht die aktive Mittäterschaft externer Organisationen (besonders der Wirtschaftsprüfer), von denen man normalerweise annehmen würde, daß sie solche Unregelmäßigkeiten eindämmen.

Wirtschaftsprüfer wie Arthur Andersen, Deloitte & Touche, Ernst & Young, KPMG und Price Waterhouse Coopers beziehen zunehmend den größten Teil ihres Einkommens als Berater von Firmen. Dies schließt auch derzeitige oder potentielle Kunden für Wirtschaftsprüfungsleistungen ein. Die Gefahr möglicher Interessenkonflikte ist offensichtlich.

Versicherungsmathematiker

Die Rolle von Versicherungsmathematikern war früher hauptsächlich darauf beschränkt, die korrekten Versicherungsprämien aus statistischen Daten für die Lebenserwartung zu berechnen. In letzter Zeit erhielten sie die Aufgable, den Wert von Pensionsversicherungen aufgrund von Annahmen über künftige Gewinne zu berechnen, welche sich auf historische Markttrends stützen sollten. Das Ergebnis war eine gewaltige Übertreibung des berichteten Nettowertes, sowohl der Pensionsversicherungen als auch der Firmen die sie förderten.

Bonitätsbewertungsagenturen

Bonitätsbewertungsagenturen sind eine undurchsichtige aber extrem wichtige Gruppe in den Wertpapiermärkten. Ihre Beurteilung der Bonität von Firmen (und selbst nationaler Regierungen) hat einen großen Einfluß auf die Erwartungen der Anleger.

Der Zusammenbruch von Enron zog die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß das Bonitätsbewertungssgeschäft viel zu wenig geregelt war, daß zwei US-Firmen (Moody's Investors Service und Standard & Poor's) praktisch ein Monopol hatten, daß Transparenz fehlte und daß es hier potentiell die gleichen Interessenkonflikte gab wie bei den Wirtschaftsprüfern.

Aktienmärkte

Seit den 1980ern wurden die Börsen mit Zustimmung der Regierungen zunehmend umgewandelt, von seriösen, halbverstaatlichten Institutionen, deren Besitzstruktur und Management nicht auf Profit abzielte, zu Konzernen die den Profit maximieren.

Drittweltländer, welche Anlegern bisher als zu riskant schienen, wurden in den letzten Jahren ermuntert (nicht zuletzt vom IMF und der Weltbank) ihre Wirtschaft für ausländisches Kapital zu öffnen.

Aufeinanderfolgende finanzielle Krisen in Mexiko, Ostasien und Rußland haben nicht nur gezeigt, daß der ursprüngliche Skepsis der Anleger in Bezug auf solche Märkte gerechtfertigt war. Große spekulative Fonds haben vielen dieser Länder bleibenden Schaden zugefügt, da sie ihre Währungen und finanziellen Systeme destabilisiert haben.