Der Zusammenbruch

der

britischen Barings Bank


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Der Zusammenbruch der britischen Barings Bank im Februar 1995 kam völlig unerwartet.

Barings war die älteste christliche Bank in Großbritannien und der Zusammenbruch wurde durch die Handlungen eines einzelnen Händlers in einem kleinen Büro in Singapur verursacht.

Dieser Händler war Nick Leeson, der nach seinem Universitätsstudium erst für Morgan Stanley arbeitete, ehe er zu Barings überwechselte. Er arbeitete in beiden Firmen in der Abwicklungsabteilung, aber kurz nachdem er bei Barings eingetreten war, bewarb er sich um eine Versetzung in den Fernen Osten, die genehmigt wurde.

Barings unterhielt seit 1987 in Singapur ein Büro mit dem Namen Barings Securities Singapore Ltd (BSS). Ohne einen Sitz an der Börse mußte BSS bei allen Transaktionen Maklergebühren zahlen. Der nächste Schritt war daher, einen Sitz zu kaufen und Händler anzustellen.

Leeson kam in 1992 nach BSS. Als Generaldirektor zählte Handeln an der Börse nicht zu seinen Aufgaben, aber er bestand das notwendige Examen und wurde daher bei der SIMEX (Singapur-Börse) zugelassen. Er war nun Generaldirektor, Chefhändler und praktisch auch Chef der Abwicklungsabteilung . Eine solche Konfiguration hätte Alarm auslöse sollen, aber keiner der Topmanager bei Barings schien den eklatanten Interessenkonflikt zu bemerken.

Leeson spekulierte ohne Genehmigung mit Termingeschäften und mit Optionen für den Nikkei Aktienindex. Er versteckte seinen Börsenhandel in einem unbenutzten BSS-Fehlerkonto. Es ist nicht klar, warum er spekulierte. Das Ausmaß seiner Spekulationen deutet an, daß er einfach ein Bedürfnis zum Spekulieren hatte. Von Anfang an verlor er Geld. Ende 1994 hatte sein geheimes Konto Nr. 888888 einen Fehlbetrag von 208 000 000 britischen Pfund. Barings war sich der Sache völlig unbewußt.

Am 21. Februar 1995 verschwand er per Flugzeug nach Kuala Lumpur und ließ 827 000 000 Pfund Schulden zurück.

Händler spekulieren gelegentlich ohne Genehmigung und manche sind wohl dazu in der Lage, ihre Spuren zu verwischen. Andere werden entdeckt und entlassen, und die Arbeitgeber müssen die Verluste tragen. Als Leeson aber entdeckt wurde, hatte er seinen Arbeitgeber schon in den Bankrott getrieben.

Man muß sich fragen, ob dies mit Absicht getan wurde. Hatte er einen Hintermann? Peter Baring selbst stellte die Frage nicht. Er sagte bloß: "Das war Absicht."

Die Zeit für einen solchen Schritt schien gut gewählt. Es gab verschiedene Faktoren, die ihm ermöglichten, unentdeckt zu bleiben, denn gerade zu dieser Zeit fand eine Fusion zwischen zwei Teilen der Organisation statt und seine Aktivitäten wurden nicht ausreichend überwacht. Dazu war Leeson noch ein erfahrener Lügner. Er fälschte Dokumente und erfand verwickelte Geschichten um die Fragen der Geschäftsführung, der Buchprüfer und selbst der Vertreter von SIMEX abzulenken.

Sechs Tage nach seiner Flucht aus Singapur wurde er bei dem Versuch, nach London zurückzukehren, in Frankfurt verhaftet. Er wurde in Singapur wegen Betrugs angeklagt und zu sechseinhalb Jahren Haft im Changi-Gefängnis in Singapur verurteilt. Er wurde im Juli des Jahres 1999 wegen guter Führung entlassen.