Es gab keine formellen Übereinkünfte zwischen dem Staat und den privaten Konzernen in Bezug auf Investitionen, Produktion oder Arbeitsplätze. Die generelle Annahme war, daß das Ziel einer optimalen funktionierenden Wirtschaft am besten erreicht wird, wenn staatlichen Eingriffe auf ein Minimum reduziert werden und jede Form der Selbstregulierung dem Management des Privatsektors überlassen wird.
Diese Einstellung ignorierte das Maß, in dem die Marktkräfte bereits systematisch in Richtung auf bestimmte Geschäftsinteressen verzerrt waren, und die Geldpolitik war so lose, daß sie zunehmende Disziplinlosigkeit bei Geldgebern als auch Schuldnern förderte.
Die Auswirkung der Stimulation des Konsumbedarfs, die zunehmende Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt sowie die Liberalisierung mehrerer Konsumbereiche wie etwa Glückspiel und Pornographie, wurden bereitwillig durch das finanzielle Establishment akzeptiert, das diese vielversprechenden Absatzmöglichkeiten nutzen wollte.
In den 70ern und 80ern wurde klar, daß die Verzerrung der Marktkräfte zu verschwenderischer Überinvestition und einer Fehlverteilung der Ressourcen geführt hatte.
Die Annahme, daß die Verbreitung der "Freien Märkte" zu generellem Wohlstand führen würde, wurde durch den spektakulären Zerfall der Sowjetunion eindeutig gefördert. Dies führte zu der Vision einer besseren, neu liberalisierten Welt, in der Globalisierung die Hindernisse für Handel und Geldverkehr beseitigt hat, und in der neue Märkte und Wertschöpfungsmöglichkeiten geschaffen würden.
Das ist nicht passiert. Der Übergang ins einundzwanzigste Jahrhundert zeigte zunehmendes wirtschaftliches Versagen und verschlechterte Aussichten für die meisten Menschen.
Es gab eine zunehmende, wirtschaftliche Stagnation und Unsicherheit in den reichen Ländern des industrialisierten Westens. Sie verurteilte eine nicht unbedeutende Minderheit, in Großbritannien und den Vereinigten Staaten etwa dreissig Prozent der Bevölkerung, zum Status einer permanenten Unterklasse die in Armut lebt. Dies, zusammen mit dem zunehmenden Versagen der privaten Pensionsversicherungen, hat das Schreckgespenst der Armut und Mittellosigkeit für jene auferstehen lassen, die sich bisher finanziell sicher fühlten.
Dies hat auch die armen Länder weiter an den Rand des Geschehens gedrängt. Die Lage von 80 Prozent der Weltbevölkerung, die schon zuvor schlecht war, ist jetzt noch schlechter. Die steigende Anzahl der wirtschaftlichen Flüchtlinge die aus diesen Ländern fliehen, die Zunahme von Staatsbankrotten und der Zusammenbruch von Recht und Ordnung sind Tatsachen, die man nicht in der offiziellen Statistik wiederfindet.
Ein weiteres Anzeichen sind die zunehmenden Krisen in den liberalisierten Märkten und der Anstieg von Betrug und Konzernkriminalität.
Das "globale Establishment", d.h. jene Interessengruppen, welche die öffentliche Meinung durch politische Parteien und Massenmedien kontrollieren, leugnen hartnäckig jedes Anzeichen einer langfristigen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.
Durch verschiedene Methoden der Täuschung und andauernde Propagandakampagnen hat das Establishment versucht, die Aufmerksamkeit von der Wirklichkeit einer sich vertiefenden Wirtschaftskrise und der funktionellen Schwäche des Systems.
In den späten 1990ern wurde es klar, daß diese angeblichen Erfolgsgeschichten weniger mit der Liberalisierung und viel mehr mit Staatsintervention und offiziell unterstützter Marktverzerrung zu tun hatten.
Noch vor dem Ende des letzten Jahrhunderts mußten sich die Propheten eines kapitalistischen Triumphs darauf beschränken, die Vereinigten Staaten als neues Licht der Hoffnung darzustellen. Die Feuerwerke für das neue Jahrtausend waren jedoch kaum vorbei, da zeigte sich, daß die angeblichen Wunder von Amerikas neuer Wirtschaft Illusionen waren, und daß Image des Erfolges auf erfundene Daten und falsche Buchführung in einer noch nie dagewesenen Größenordnung beruhte.
Die Regierungen der angeblich am meisten entwickelten Länder der Welt sind so von korrupten und kriminellen Elementen durchdrungen, daß es scheint als hätten sie jeden Sinn der Verantwortung für das öffentliche Wohl verloren.
Das globale Establishment hat sich standhaft geweigert einzugestehen, daß das Nachkriegsmärchen vom permanenten Wachstum nicht machbar ist. Diese Weigerung hat ihre Ursache in der begründeten Angst vor einem finanziellen Zusammenbruch, denn Zweifel am permanenten Wachstum bedeutet Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Pensionsversicherungen, die seit den 1950ern in den Vereinigten Staaten aufgebaut wurden und die Hauptquelle des Ruhestandseinkommen von Angestellten in der Privatwirtschaft sind. Während der Rezession im Jahr 1974 war es offensichtlich, daß altmodischer Bankrott und Abschreibung von Vermögen in großem Stil keine annehmbare Lösung brachten. Statt dessen folgte eine offizielle Rettung der finanziellen Institutionen.
Diese Maßnahme unterstützte die parasitischen Vermögensverwaltungsindustrie, die sich zu einer Kraft entwickelt hat, die einen starken und verderblichen Einfluß auf die Entwicklung des globalen Spätkapitalismus hat
Zur gleichen Zeit verbreitete das globale Establishment die Idee, daß das permanente Wirtschaftswachstum mit kurzfristigen Opfern wiederbelebt werden kann. Daher der Abbau der britischen Industriekapazität durch die Regierung von Margaret Thatcher.
Als es klar wurde, daß die kapitalistische Wirtschaft nicht in der Lage war, einen Mindestgrad an dauerhafter Einkommensstabilität für die Mehrheit der Bevölkerung bereitzustellen, wurde auch klar, daß sich Forderungen nach radikaleren Lösungen durchsetzen könnten, und daß dies wahrscheinlich einen größeren Grad an öffentlicher Kontrolle über den Privatsektor und eine stärkere Umverteilung der Einkommen auf Kosten der dominierenden Interessengruppen bedeuten würde.
Die Regierungen gaben den privaten Firmen, und speziell dem finanziellen Sektor, einen starken Anreiz zu unverantwortlichem oder sogar kriminellem Verhalten, indem sie die ihnen das Schaffen und Gewähren von Krediten erleichterten, jedoch auch eine implizite Garantie gaben, das der Staat alle größeren Verluste decken würde.
In einem Klima zunehmender Stagnation, in dem es schwer war die Wirtschaftlichkeit von Firmen wenigstens auf der niedrigsten, akzeptablen Stufe zu halten, waren Konzernmanager der zunehmend unwiderstehlichen Versuchung ausgesetzt, nicht nur Kapital für extrem riskante Investitionen auszugeben, sonder auch direkten Betrug zu begehen.
Dies setzte die nationalen Wirtschaftssysteme stärkerem und unfairem Wettbewerb aus und führte zu Druck auf die Regierungen (speziell in den ärmeren Ländern), die Steuersätze für Konzerne deutlich zu verringern.
Dieser Druck hat sich vergrößert, da das anhaltende, langsame Wachstum in nahezu jedem Sektor der Weltwirtschaft Reservekapazität geschaffen hat. Der Prozeß der Globalisierung hat es ermöglicht, daß sich Länder, die nicht vorgeben, die elementaren Rechte ihrer Arbeiter zu schützen oder minimale Umweltschutzauflagen einzuhalten, diesen Trend zunutze machen.
Natürlich hat sich das globale Establishment geweigert, die sozialen Konsequenzen zu sehen, die sich aus der zunehmenden Schwächung der öffentlichen Leistungen und der menschlichen Wohlfahrt ergeben und die nicht auf lange Sicht aufrechterhalten werden können.